Etwas zur Geschichte des Karate

Wer sich selbst erkennt ... ist Weise
Wer andere besiegt ... hat Muskelkraft
Wer sich selbst besiegt ... ist stark
Wer seine Mitte nicht verliert ... der dauert
Wer zufrieden ist ... ist reich
Laotse

Karate wurzelt im Chinesischen Boxen (Wushu oder Kempo, bei uns eher als Kung Fu bekannt), welches etwa 2000 Jahre alt ist. Ab ca. 1600 entwickelte sich auf Okinawa, das schon immer als Brücke zwischen China und Japan galt, eine Kampfkunst, welche einfach Te (wörtlich übersetzt "Hand", aber eher als Nahkampf zu verstehen) genannt wurde. Diese Kampfkunst war eine Kombination des Kempo und der Kampfkunst der Bewohner Okinawas, denen es durch die japanischen Besatzer verboten war Waffen zu tragen. Durch dieses Waffenverbot und die Notwendigkeit sich gegen die Willkür der Samurais zur Wehr zu setzen, fand das Okinawa-Te - das zuweilen auch Shimpi oder Reimyo-Te (mysteriöses oder unerklärliches Te) genannt wurde - bald eine schnelle Verbreitung. Bis in unsere Zeit wurde das Te von den okinawischen Meistern geheim gehalten. Daher exitieren keine geschichtlichen Aufzeichnungen über das alte Okinawa-Te. Der Mann, dessen Verdienst es ist, es als das heutige Karate weltbekannt gemacht zu haben, ist Gichin Funakoshi.

Er legte den Grundstein für die heutige Popularität des Karate. Erste öffentliche Vorführungen dieser waffenlosen Selbstverteidigung hatte er zwischen 1917 und 1922 in Japan. Sein dort vorgeführtes Karate wurde später unter dem Begriff Shoto-Kan (dies war Funakoshis Synonym) quasi als Standard-Karatestil angesehen. Dieser Stil hat sich bis heute, wenn auch ziemlich stark verändert, als der meist ausgeübte Karatestil behauptet. Derzeit gibt es ca. 40 Stile, Schulen bzw. Strömungen des Karate, wie Shito-Ryu, Goju-Ryu, Kyukushinkai, Uechi-Ryu oder Motobu-Ryu, um nur einige zu nennen.

Unser Stil ist das Wado-Ryu - die Schule des friedlichen bzw. harmonischen Weges - gegründet 1939 von Hironori Ohtsuka (01.06.1892-29.1.1982). Wado-Ryu-Karate nimmt unter den verschiedenen Stilen eine gewisse Sonderstellung ein, die sich mit seiner Entstehung erklären läßt. So bildet es eine Symbiose aus Funakoshis Stil und den alten japanischen Kempoarten Jiu-Jitsu und Kendo.

Karate kam erst sehr spät nach Europa. Die ersten öffentlichen Vorführungen durch japanische Meister fanden hier Anfang der 50er Jahre statt. Die ersten europäischen Dojos entstanden in den 60er Jahren vornehmlich in Frankreich und Deutschland. Im Jahre 1966 wurde dann die Europäische Karate Union (EKU) gegründet und seitdem werden internationale Meisterschaften durchgeführt. Seit der Anerkennung WUKO 1985 durch das IOC werden auch die offiziellen Weltmeisterschaften ausgetragen. In der Bundesrepublik wurde Karate 1957 durch Jürgen Seydel eingeführt, der auch das erste deutschsprachige Karate-Lehrbuch schrieb. Seit 1977, dem Gründungsjahr des Deutschen Karateverbandes (DKV), gibt es in Deutsche Karatemeisterschaften. Ab dem Jahre 2004 ist Karate auch als olympische Disziplin anerkannt. Karate sollte aber trotzdem nicht als eine rein auf Wettkämpfe orientierte Sportart verstanden und trainiert werden. Sondern als das was es ursprünglich mal gewesen ist: eine harte, wirkungsvolle und kompromislose Kampfkunst zur Selbstverteidinung, zur körperlichen Ertüchtigung und nicht zuletzt zur Charakterschulung!

Dojo-Regeln

  1. Pünktliches Erscheinen zum Unterricht ist selbstverständlich.
  2. Jeder Schüler trägt einen sauberen, ordnungsgemäßen Karate-Gi.
  3. Jeder Schüler, der zu spät kommt, macht eine Verbeugung und kniet sich solange hin, bis er vom Lehrer (Sensei) aufgefordert wird am Training teilzunehmen. Dann nimmt er seinen Platz in der Gruppe ein.
  4. Während des Unterrichts wird kein Kaugummi gekaut.
  5. Der Unterricht wird nicht durch lautes Reden gestört.
  6. Während des Unterrichts werden keine Uhren und kein Schmuck getragen. Fuß- und Fingernägel müssen kurz sein.
  7. Jeder Schüler, der während des Unterrichtes hinausgeht, meldet sich beim Trainer ab und nennt den Grund.
  8. Alle Schüler müssen zu hartem körperlichem Training in der Lage sein. Im Zweifelsfall den Arzt konsultieren.
  9. Die ranghöheren Schüler (Sempai) müssen alles tun, um den rangniederen Schülern (Kohai) bei der Ausbildung behilflich zu sein. Vor allem durch ihren vorbildlichen Einsatz und ihre ernsthafte Haltung zeigen sie, daß sie ihren höheren Grad zu recht tragen.
  10. Jeder Schüler verhält sich in der Öffentlichkeit so, daß er dem Ansehen des Karate keinen Schaden zufügt.